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8. Juni 2009

Schadensanalyse Tornado Köln-Tenhoven und Worringen am 07.06.2009

Am 07.06.2009 gab es von Estofex ein Level 1 für unsere Region. Durch die starke Scherung in den unteren Schichten hatte sich die die Gefahr, daß entstehende Zellen Tornados hervorbringen können merklich erhöht.

Gegen 16.00 entstand in der Eifel eine Schauerzelle, die in Richtung Kölner Norden zog und etwa ab Kerpen eine sich zyklonal innerhalb der Zelle bewegende WER-Signatur im Radar aufwies. An der Südostspitze dieser Zelle bildete sich zwischen Pulheim Sinnersdorf und Roggendorf-Tenhoven ein Tornado, der etwa auf halber Strecke zwischen diesen beiden Orten Bodenkontakt errerichte und dabei von Dennis Oswald gefilmt wurde. Hier ein Standbild aus dem Video (copyright bei Dennis Oswald).

Der Tornado wurde auch in Monheim von Rolf Kleve beobachtet und gefilmt. Hier das Video:


TORNADO ÜBER MONHEIM – MyVideo

Karte des Gebietes:
Karte
(Quelle: openstreetmap.org)

Am nächsten Tag traf ich mich dort mit Dennis und wir machten uns daran, die aufgetretenen Schäden zu erfassen und zu kartieren. Da es sich zweifelsfrei um einen Tornado handelte verzichte ich hier in dieser Analyse auf die Kartierung der Fallrichtungen der Bäume sonden liste hier nur die Schadenspunkte mit den zugehörigen Bildern vom Beginn der Schneise bis zu deren Ende auf.

Der erste Schadenspunkt lag am Ortseingang von Tenhoven im Bereich der Straßen Am Feldgarten, Tenhovener-Escher-Weg und Mörterweg. Hier wurden 2 einzeln stehende Pappeln in etwa 4-5 m Höhe abgebrochen und an mehreren Gebäuden entstanden Schäden im Bereich T2 bis T3/F1 (Windgeschwindigkeit 150-180 km/h). Die Breite der Schneise betrug hier etwa 30 m.



Vom ersten Schadenspunkt konnten wir auch den nächsten Punkt bereits deutlich erkennen. Dieser lag an einem Wirtschaftsweg und an einer Stichstraße zwischen Mörterweg und Baptiststr. Die Baumschäden lagen auch hier etwa im T3/F1-Bereich bei einer Schneisenbreite von 30-40 m.

Der nächste Schadenspunkt lag dann an der Baptiststr und beinhaltete Gebäudeschäden, die jedoch durchweg geringer ausfielen (T2/F1). Hier betrug die Schneisenbreite etwa 20 m.

An der Bruchstr und auf dem Senfweg im angrenzenden Worringer Bruch gab es nur noch geringe Schäden im T1-T2/F0 Bereich und eine Schneisenbreite von etwa 10-20 m. Hier gab es den ersten Liftoff des Tornados.

Die nächsten Schäden gab es an der alten Neusser Landstr. Hier waren mehrere größere Äste von den Bäumen abgebrochen (T2/F1). Dies war der zweite Bodenkontakt des Tornados und hatte eine Breite von etwa 30 m.

Den dritten Bodenkontakt gab es etwa 100 m hinter der Neusser Landstr in Richtung zum alten Rheindamm. Die maximalen Schäden lagen hier wiederum im T3/F1 Bereich. Auffällig war jedoch eine Auffächerung der Schneise direkt vor den beschädigten Bäumen von etwa 15-20 m auf bis zu 100 m Breite. Dieser Umstand, sowie weitere, teilweise stark unregelmäßige Ränder der Schneise, lassen einen zeitweiligen Multivortex-Tornado naheliegend erscheinen.


Mittlerweile tauchten auch Videos und Schadensbilder aus Monheim, auf der anderen Rheinseite, auf und erhärten den Verdacht, daß der Tornado den Rhein überschritten hat und dort nocheinmal Schäden im T2/F1 Bereich anrichtete. (Das Bild wurd mir freundlicherweise von Rainer aus Monheim zur Verfügung gestellt).

Die letzten Erkenntnisse haben nach Augenzeugenberichten eine Verlängerung der Schneise um weitere 2-3 km bis nordöstlich von Monheim ergeben. Sobald mir hierzu Bilder vorliegen, werden diese in diesem Bericht eingefügt.

Insgesamt hatten wir es hier also mit einem Tornado zu tun, der eine maximale Intensität von T3/F1 erreichte und mehrfach den Bodenkontakt verlor. Die Schneisenbreite variierte zwischen 15 und 100 m bei einer gesamten Spurlänge von ca. 9 km. Ein Multivortex kann aufgrund der z.T. stark ausgefransten Ränder, die man im hochstehenden Getreide sehr gut erkennen konnte, als wahrscheinlich angesehen werden.

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